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Geschichten für Kinder

Auf dieser Seite, sollen Besucher ihre eigenen Kurzgeschichten veröffentlichen können. Wenn ihr eine besonders schöne oder auch eine selbstgeschriebene Geschichte habt, dann schickt sie mir per E-mail und ich werde sie auf dieser Seite veröffentlichen. Ich bitte ausdrücklich darum, mir keine Geschichten zuzuschicken, auf denen ein Copyright besteht oder die ohne ausdrückliche Erlaubnis von anderen Seiten kopiert wurden. Ich hoffe und freue mich auf zahlreiche Einsendungen!

Tonis Fehler und die Folgen

Anna und der Zeltausflug

Die Clique





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Tonis Fehler und die Folgen

Toni saß vorm Fernseher, als Mama sagte: "Toni es ist Zeit ins Bett zu gehen." "Aber Mama", maulte Toni."Ich möchte doch noch gerne den Piratenfilm sehen, der nach den Narichten kommt." Tonis Mama schüttelte den Kopf."Nein Toni, du weißt, dass du morgen Schule hast und auch, dass die Lehrerin eine Klassenarbeit in Mathematik mit euch schreibt. Zu einer Klassenarbeit sollte man schon gut ausgeschlafen sein."
Murrend stand Toni auf und ging ins Bad. Als er zähneputzend vorm Spiegel stand kam ihm eine Idee:"Wenn ich schon nicht den Piratenfilm sehen kann, dann warte ich bis Papa und Mama ins Bett gegangen sind, schleiche mich ins Wohnzimmer und schaue mir wenigstens den Western an, der nach dem Piratenfilm kommt."Bei diesem Gedanken zwinkerte er seinem Spiegelbild spitzbübisch zu.
Als er sich gewaschen und seinen Schlafanzug angezogen hatte, ging er ins Bett und wartete darauf, dass Mama kam und ihm eine gute Nacht wünschte, wie sie es jeden Abend tat. Sobald Mama das Licht gelöscht hatte und sich ihre Schritte im Flur entfernten, holte Toni seine Taschenlampe unter dem Kopfkissen hervor, schaltete sie ein und kramte seine Comic-Hefte aus der Nachtischschublade hervor. Er wollte sich mit dem Lesen der Hefte die Zeit vertreiben, bis Mama und Papa ins Bett gegangen waren.
Eine ganze Weile später, Toni hatte beim Lesen immer mal wieder gespannt auf die Geräusche im Haus gelauscht, hörte er im Bad das Wasser laufen. Er wußte, das die Eltern sich nun bettfertig machten und es nicht mehr lange dauern konnte, bis sie die Treppe hoch, zu ihrem Schlafzimmer gingen. Ungefähr 20 Minuten später war es endlich soweit.
Gespannt lauschte Toni, auf die Schritte, die man deutlich auf der Treppe hörte, welche in den ersten Stock führte, in dem sich das Schlafzimmer der Eltern befand. Die Tür zum Elternschlafzimmer klappte auf und wieder zu. Die Eltern waren jetzt in ihrem Schlafzimmer und gingen zu Bett.Toni lauschte. Im Haus war es nun still. Er wollte noch eine viertel Stunde warten und es dann wagen aufzustehen und ins Wohnzimmer zu gehen. 15 Minuten später schob Toni die Bettdecke beiseite setzte sich auf den Rand des Bettes und zog seine Hausschuhe an, die immer vor dem Bett standen. Er stand auf und ging auf Zehenspitzen zur Tür. Mit zittrigen Fingern drückte er die Türklinke vorsichtig herunter und öffnete die Tür.
Im Flur war es dunkel, aber durch das Licht der Straßenlaterne, die vor dem Haus stand,und deren matter Schein nun durch das Flurfenster schien, war es hell genug, dass Toni kein weiteres Licht benötigte, um sich zurecht zu finden.Der Flur war mit dickem Teppich ausgelegt, so dass man Tonis Schritte gar nicht hören konnte und er nicht weiter auf Zehenspitzen laufen musste.
Als er am Treppenabsatz vorbeikam hielt er einen Moment inne und lauschte auf Geräusche aus dem Elternschlafzimmer. Papa schnarchte, dass sich die Balken bogen und man es bis unten deutlich hörte."Das ist ja prima", dachte Toni.So muss ich den Fernseher nicht allzu leise stellen. Papa übertönt den Fernseher mit seinem Geschnarche bei Weitem."
Toni ging weiter und betrat das Wohnzimmer. Licht wollte er keines machen. Im matten Schimmer, der auch durch die beiden Wohnzimmerfenster fiel, sah er die Fernbedienung auf dem Wohnzimmertisch liegen. Er holte sie sich und machte es sich damit auf der Couch bequem. Er schaltete mit der Fernbedienung den Fernseher ein und schaltete auf den Kanal, auf dem der Western lief. Der Western hatte gerade angefangen.Toni zog sich ein Couchkissen herbei und kuschelte sich damit in die Ecke der Couch.
Gespannt verfolgte er den Film. Alles was mit Cowboys und Indianern zu tun hatte mochte Toni besonders gerne.Toni merkte beim Zuschauen überhaupt nicht, dass er immer müder wurde. Zu sehr fesselte ihn der Film. Nach und nach musste er aber doch gegen die Müdigkeit ankämpfen und gegen die sich immer schwerer anfühlenden Augenlider, die Mühe hatten nicht herunter zu fallen. Toni musste unbedingt das Ende des Films mitbekommen. Er wollte wissen, ob nun die Cowboys oder die Indianer den Kampf gewannen.
Nach einer Ewigkeit, so kam es Toni jedenfalls vor, war der Film zu Ende. Dies stand auch in Großbuchstaben auf dem Bildschirm des Fernsehers. Toni wußte nun, dass die Indianer ihr Revier erfolgreich gegen die Cowboys verteidigt hatten und war zufrieden. Er schaute auf die Uhr des Videorekorders, der im Regal unter dem Fernseher stand und erschrak."Schon 00:15 Uhr"! Toni schaltete hastig den Fernseher ab, legte die Fernbedienung wieder genauso auf den Tisch zurück, wie er sie vorgefunden hatte und machte sich auf den Weg in sein Zimmer. In der Eile vergaß er völlig, leise zu sein aber Papa und Mama hörten nichts. Er zog die Hausschuhe aus kroch unter die Bettdecke und schlief fast augenblicklich ein.

"Toni, Toni, aufstehen!" Toni hörte Mamas Stimme wie durch einen dicken Vorhang. Er spürte, dass sie ihn an der Schulter rüttelte. Im ersten Moment wußte er gar nicht was los war aber dann fiel es ihm ein.Er hatte ja Schule und heute wollte Frau Schneider, die Klassenlehrerin, eine Arbeit in Mathematik schreiben. Toni kannte das Thema der Arbeit und wusste, dass er darin Klassenbester war und keine Probleme hatte. Langsam erhob er sich aus dem Bett. Was war nur los mit ihm? Seine Beine fühlten sich an wie Blei und auch die Arme. Die Augen taten weh und brannten fürchterlich, dass Toni das Gefühl hatte er müsse sie ständig reiben.Ganz langsam, wie in Zeitlupe zog er sich an. Im Bad reichte es nur zu einer Katzenwäsche und die Zähne putzte er auch weniger gründlich als sonst. Er fühlte sich einfach zu schwach dazu. Ob er doch lieber früher hätte zu Bett gehen sollen? Aber dann hätte er ja den schönen Film verpasst. Nachdem Toni sich mehr schlecht als recht gewaschen und Zähne geputzt hatte, ging er in die Küche und setzte sich an den Frühstückstisch, den Mama wie jeden Morgen schon gedeckt hatte. Papa saß auch schon am Tisch und hatte sich wie meistens hinter dem Wirtschaftsteil der Zeitung versteckt. Mama war schon ins Bad gegangen, um sich für die Arbeit fertig zu machen.
Toni sah auf seinen Teller, auf dem ein Marmeladenbrot lag und spürte, dass er gar keinen Hunger hatte. Mit Mühe und Not würgte er das Brot herunter und spülte mit einem Glas Milch, das neben dem Teller stand, nach. Dann stand er auf und ging mit schleppenden Schritten in den Flur, um seine Jacke anzuziehen und die Schultasche zu holen. Mama war immernoch im Bad. Er rief ihr durch die geschlossene Tür ein "Tschüß" zu und seinem Vater ebenfalls, als er an der offenen Küchentür vorbeikam. Papa bekam das, wie meistens, gar nicht mit, so vertieft war er in seine Zeitung. Überhaupt konnte Toni froh sein, dass seine Eltern morgens so beschäftigt waren, so dass sie nicht mitbekamen, wie blaß und müde Toni war und dass er vor Müdigkeit dunkle Ringe unter den Augen hatte.
Wie benebelt machte sich Toni auf den Weg zur Schule, die nur um ein paar Ecken lag. Immer wieder mußte er den Mund ganz weit aufreißen und herzhaft gähnen. Die Kiefergelenke taten ihm schon weh, so schlimm war das mit dem Gähnen. Unterwegs nahm er kaum war, was um ihn herum vorging und er musste sich regelrecht zwingen auf den Verkehr zu achten. Er war froh, als er endlich in der Schule ankam und sich im Klassenzimmer auf seinen Platz in der hintersten Reihe setzen konnte. Frau Schneider hatte ihm diesen Platz vor einer ganzen Weile zugewiesen, da sie es für besser hielt die weniger guten Schüler nach vorne zu setzen.
Fünf Minuten nachdem Toni sich gesetzt hatte, klingelte es zur ersten Stunde und die restlichen Schüler aus seiner Klasse betraten mit Frau Schneider das Klassenzimmer. Die Schüler setzten sich. Als endlich Ruhe in die Klasse eingekehrt war und man sich gegenseitigt, von Lehrer zu Schüler und umgekehrt "guten Morgen" gewünscht hatte, griff Frau Schneider in ihre dicke, braune Aktentasche, die sie immer mitten aufs Lehrerpult stellte und zog daraus einen dicken Packen Zettel hevor.Die Mathearbeit! Frau Schneider teilte den Packen Zettel in drei gleichmäßige Teile und gab drei Schülern aus den vorderen Reihen jeweils einen davon. Diese machten sich eifrig daran, die Zettel an alle Schüler zu verteilen und es dauerte nicht lange und jeder hatte einen davon vor sich auf den Tisch liegen. Auch Toni. Frau Schneider ermahnte die Schüler noch, das Datum und den Namen deutlich an den oberen, linken Rand zu schreiben und nicht beim Banknachbarn abzukucken. Dies würde sonst schwerwiegende Folgen haben.
Die Schüler konnten nun beginnen.Eifrig fingen die Schüler an zu rechnen und zu schreiben. Nur Toni starrte lustlos auf seinen Zettel.Er war gar nicht in der Lage klar zu denken und sich auf die Aufgaben auf dem Blatt zu konzentrieren, so müde war er. Die Zahlen verschwammen immer wieder vor seinen Augen und er musste die Augen immer und immer wieder reiben, das er etwas klarer sah. Ein paar mal hatte er begonnen, die erste Aufgabe auszurechnen aber ständig verlor er die Konzentration und mußte von vorne Anfangen.
Als es zum Ende der Stunde klingelte, hatte Toni von 15 Aufgaben gerade mal 3 gelöst. Frau Schneider forderte die Schüler nun auf das schreiben zu beenden und die Zettel nach vorne zu bringen. Toni hatte ein flaues Gefühl in der Magengegend aber ihm blieb ja gar nichts anderes übrig als der Aufforderung der Lehrerin zu folgen und er legte seinen Zettel zu den anderen auf den Lehrerpult. Wie sollte er seinen Eltern erklären, dass er die Arbeit versiebt hatte? Denn versiebt hatte er sie, das war ihm klar. Die restlichen Stunden schlichen sich dahin und Toni hatte immer mehr Mühe nicht mitten im Unterricht einzuschlafen. Der sowieso schon langweilige Deutschunterricht, bei Herrn Fuchs, war heute fast unerträglich langweilig und einschläfernd für Toni.
Endlich läutete es zum Ende der letzten Stunde und die Schüler konnten nach Hause gehen.Auch Toni machte sich auf den Nachhauseweg. Blieben nur noch die Hausaufgaben zu erledigen. Zu Hause in seinem Zimmer setzte Toni sich an seinen Schreibtisch und machte die Hausaufgaben, für die er, wie es ihm schien, unendlich lange brauchte. Endlich hatte er auch seine Hausaufgaben erledigt und es war schon später Nachmittag geworden.
Die Eltern waren schon nach Hause gekommen und es wurde bald zu Abend gegessen. Mama fragte Toni beim Abendessen, warum er so blaß sei, ob er sich nicht wohlfühle. Toni erzählte nicht, was er den Abend zuvor getan hatte und auch nichts von der Mathearbeit. Spätestens, wenn er die Mathearbeit zurück bekam musste er seinen Eltern die Wahrheit sagen."Hoffentlich ist Frau Schneider nicht so schnell wie sonst mit dem Arbeitenkorrigieren",dachte Toni. Laut sagte er, dass er sich nicht wohlfühle und früh zu Bett gehen wollte. Mama sagte:"Das wird wohl das Beste sein" und bald darauf stand Toni vom Tisch auf, ging ins Bad wusch sich, putzte die Zähne und zog seinen Schlafanzug an. Er ging in sein Zimmer, kuschelte sich ins Bett und bekam noch nicht einmal mehr mit, wie Mama hereinschaute, ihm "gute Nacht wünschte" und das Licht löschte. So schnell war Toni vor Erschöpfung eingeschlafen.

Am nächsten Morgen hatte Toni erst zur dritten Stunde Mathematik. Je näher die Mathestunde rückte, umso nervöser wurde Toni. Ein ganz kribbliges und zappliges Gefühl hatte er. Er konnte kaum auf seinem Platz still sitzen und sich auf den Unterricht von Herrn Fuchs konzentrieren, dass ihn dieser sogar zu mehr Aufmerksamkeit ermahnen musste. Die Mathestunde kam heran und mit ihr die Klassenlehrerin Frau Schneider. Als Frau Schneider zur Tür hereinkam stellte Toni fest, dass sie in der linken Hand ihre Aktentasche trug und in der rechten einen Packen Zettel, der verdächtig nach der Mathearbeit aussah. Nach der üblichen Begrüßung war es Toni klar, dass es sich tatsächlich um die korrigierte Mathearbeit handelte, denn Frau Schneider begann die Zettel gleich an die Schüler zu verteilen. Toni war es ganz bang ums Herz. Wie immer teilte Frau Schneider auch heute die besten Arbeiten zuerst aus. Der Packen wurde immer kleiner und schließlich hielt Frau Schneider nur noch einen Zettel in der Hand. Toni stockte der Atem. Langsam bewegte sich Frau Schneider auf den Platz zu, auf dem Toni saß. Sie schaute ihm dabei direkt in die Augen. Toni wäre am Liebsten im Erdboden versunken. Es kam ihm unendlich lange vor, bis Frau Schneider vor Tonis Tisch stehen blieb. Er fühlte das die Augen der ganzen Klasse auf ihn gerichtet waren. Er fühlte auch, dass er puterrot anlief. Es war totenstill in der Klasse geworden, als Frau Schneider zu sprechen begann.
"Was hast du dir nur dabei gedacht, mir so eine schlechte Arbeit abzuliefern", keifte sie ihn an. Sie hielt im den Zettel direkt unter die Nase und die rote Sechs sprang Toni sofort in die Augen."Du hast die schlechteste Arbeit von allen abgeliefert und überhaupt ist die Mathearbeit diesmal insgesamt sehr schlecht ausgefallen aber du Toni, hast mich am meisten enttäuscht. Ich verstehe überhaupt nicht wie es so weit kommen konnte. Du warst immer mein bester Schüler". Natürlich erzählte Toni ihr nichts vom Fernsehen und der Müdigkeit. Er wusste zwar, dass er auf Mama hätte hören sollen aber nun war es zu spät. Er hielt den Kopf gesenkt, starrte auf die Tischplatte und schämte sich in Grund und Boden.Endlich beruhigte sich Frau Schneider wieder und setzte den Unterricht fort.

Toni war froh, als die Schule nach der fünften Stunde zu Ende war. Die ganze Zeit hatte er das Gefühl, seine Schulkameraden tuschelten hinter seinem Rücken über ihn und lachten darüber, dass er eine Sechs geschrieben hatte. Mit hängenden Schultern schlenderte er nach Hause. Das Schlimmste stand ihm noch bevor. Das Gespräch mit seinen Eltern. Als Toni zu Hause die Küche betrat schaute er auf die Uhr, an der Küchenwand. Noch drei Stunden bis Papa und Mama nach Hause kommen würden. Toni ging in sein Zimmer und begann mit den Hausaufgaben. Auch heute konnte er sich kaum konzentrieren aber diesmal nicht weil er müde war,sondern weil er immer wieder an die Reaktion seiner Eltern denken musste. Was würden sie wohl sagen und würden sie ihn bestrafen? Toni hatte beschlossen, dass er es ihnen beim Abendessen beichten wollte.
Um 17:30 Uhr hörte Toni die Haustür auf- und zuklappen. Er lag auf seinem Bett, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und hörte seine Eltern miteinander sprechen. Mama öffnete die Tür zu Tonis Zimmer und steckte den kopf herein. "Hallo Toni,komm wir wollen gleich zu Abend essen. Papa und ich haben heute etwas Fertiges vom Chinesen, bei dem wir immer auf dem Heimweg vorbeifahren, mitgenommen". Nun war es also soweit.
Toni stand langsam vom Bett auf, ging in die Küche und setzte sich an den Küchentisch. Mama hatte ihm seine Portion Hühnchen mit Reis schon auf den Teller getan. Toni nahm die Gabel in die Hand. Er hatte das Gefühl, dass sich sein Magen zusammenzog. Er konnte jetzt keinen Bissen hinunterbringen. Er schob den Reis von einem Tellerrand zum andern und irgendwann spürte er, das ihn seine Eltern dabei anblickten. "Toni, kannst du mir mal sagen, was mit dir los ist",fragte Mama. "Ich.....ich....", sagte Toni. "Ja wir hören", sagte Papa. "Ich....ich....", druckste Toni herum. Mama sah Toni nun ganz aufmerksam an. "Nun rede schon", forderte sie ihn ungeduldig auf."Ich.....ich.....bin vorgestern abend, als ihr zu Bett gegangen wart, aufgestanden und habe mir den Western im Fernsehen angeschaut und gestern war ich dann in der Schule so müde, dass ich mich nicht auf die Mathearbeit konzentrieren konnte und nun habe ich heute eine Sechs zurückbekommen."
Jetzt war es endlich heraus. Papa fiel die Gabel aus der Hand und Mama starrte Toni mit offenem Mund an. Sekundenlang passierte nichts und Toni kam es wie Ewigkeiten vor. Dann sagte Mama in einem sehr scharfen Tonfall:"Geh sofort in dein Zimmer, bis Papa und ich uns überlegt haben, was wir nun mit dir machen sollen." Toni trottete in sein Zimmer und legte sich wieder auf sein Bett, teils ängstlich, weil er nicht wusste, was auf ihn zukommen würde, teils froh, dass es nun endlich heraus war. So verging eine halbe Stunde, in der Toni seine Eltern, in der Küche laut miteinander reden hören konnte. Was sie sagten verstand er nicht.
Als die Tür nun aufging, traten Papa und Mama nacheinander ein und stellten sich vor das Fußende des Bettes. Toni setzte sich im Bett auf und sah beide ängstlich fragend an. Mama begann zu sprechen: "Da wir denken, dass die Sechs in der Mathearbeit und die Peinlichkeit vor deinen Schulkameraden Strafe genug für dich war, haben wir uns entschieden dir nur ein sechswöchiges Fernsehverbot zu erteilen. Aber nur unter der Vorraussetzung, dass du nie wieder ohne Erlaubnis länger aufbleibst", fügte Papa hinzu. Es dauerte einen Augenblick, bis Toni verstand wie glimpflich er davongekommen war. Als er sich dessen bewusst wurde sprang er vom Bett auf und fiel erst Mama und dann Papa um den Hals."Natürlich könnt ihr euch in Zukunft auf mich verlassen. Nie wieder werde ich heimlich lange aufbleiben und ohne Erlaubnis fernsehen". Und dies war nicht nur eine Versprechung. Toni meinte es auch vom Grunde seines Herzens. Er hatte seine Lektion gelernt. Nie wieder wollte er seine Eltern hintergehen und unausgeschlafen in die Schule gehen. Zu groß war die Scham vor seinen Schulkameraden und der Lehrerin und die Angst davor, seinen Eltern alles beichten zu müssen, hatte ihr Übriges getan. Die sechs Wochen Fernsehverbot taten Toni nicht besonders weh. Vom Fernseher hatte Toni erst mal die Nase gestrichen voll. Nun konnte Toni wieder aufatmen und heute schlief er mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein.

Am nächsten Tag erfuhr Toni in der Schule, dass die Mathearbeit wiederholt werden würde, da sie insgesamt sehr schlecht ausgefallen war. Toni hatte sehr viel Glück im Unglück gehabt. So würde diese verflixte Mathearbeit auch keine Spuren in seinem Zeugnis hinterlassen. Nie, nie wieder wollte er unausgeschlafen in die Schule gehen und daran hielt er sich von diesem Tag an. Er hatte aus seinem Fehler gelernt, auch wenn im Fernseher manchmal noch so spannende Filme kamen. Eine Sechs wollte er nie wieder bekommen und das passiert halt nunmal sehr leicht, wenn man nicht ausgeschlafen ist, wie Toni am eigenen Leib erfahren hatte. Aber letztendlich ist Tonis Geschichte doch noch gut ausgegangen. Dieses Glück hat man aber bekanntlich nur einmal, so dass man niemandem empfehlen kann es darauf ankommen zu lassen.

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Anna und der Zeltausflug

Anna wurde durch die ersten Sonnenstrahlen, die durch den Vorhang drangen wach. Verschlafen räkelte sie sich in ihrem Bett, als ihr plötzlich ein Gedanke durch den Kopf schoss. "Heute war doch irgendwas......Na klar, Vater, Mutter, ihr Bruder Lars und sie selbst wollten über das Wochenende zelten gehen". Plötzlich hellwach, sprang Anna aus ihrem Bett, Zog sich T-Shirt, Jeans und Turnschuhe an, die wild verstreut auf dem Boden, im Zimmer lagen. Sie eilte ins Bad, wusch sich hastig und putzte die Zähne. Als das erledigt war eilte sie zur Küche. Papa, Mama und Lars saßen schon am Frühstückstisch und unterhielten sich gutgelaunt."Guten Morgen allerseits", sagte Anna. "Guten Morgen, Anna", sagte erst ihre Mutter und dann der Vater. Nur ihr Bruder Lars, das Ekel, hatte es nicht nötig zu antworten.
Lars war fünf Jahre älter als Anna und er und Anna stritten fast täglich miteinander. Lars war von Anna genervt und Anna von Lars. Anna störte sich aber nicht weiter an dem fehlenden "Guten Morgen" ihres Bruders. Hungrig griff sie sich ein Brötchen und begann es gerade dick mit Marmelade zu beschmieren, als Papa anfing zu sprechen: "Wie ihr wisst ist unser großes Zelt nur ein Drei-Mann-Zelt und deshalb hatten wir im letzten Jahr noch ein kleines Zwei-Mann-Zelt dazu gekauft." Anna erinnerte sich nur zu gut daran. Ihr Bruder Lars durfte alleine in dem kleineren Zelt schlafen, während sie mit ihren Eltern im größeren Zelt schlafen musste. Das fand Anna schon damals sehr unfair. Warum durfte ihr Bruder Lars immer mehr als Anna? Nur weil er ein bisschen älter war? Sie war doch schließlich auch kein Baby mehr. "Ich schlage vor, dass wir es wie im letzten Jahr machen",sprach der Vater weiter. "Wir stellen die beiden Zelte ganz dicht aneinander auf und Lars schläft im kleinen Zelt, Anna mit Mama und mir im großen." Anna verschlug es fast die Sprache. Schon im letzten Jahr hatte sie mit ihren Eltern und Lars heftige Diskussionen geführt und nun sollte schon wieder Lars alleine im Zelt schlafen dürfen und nicht sie. Das konnte sie sich unmöglich gefallen lassen. Anna stampfte mit dem Fuß auf und rief wutschnaubend in die Runde: "Nein, diesmal bin ich dran, alleine im kleinen Zelt zu schlafen. Lars durfte schon letztes Jahr. Dieses Jahr will ich!". Anna bekräftigte ihre Worte indem sie mit lautem Klappern ihren Teller, auf dem sich noch das unberührte Brötchen befand, quer über den Tisch, bis zur Mitte schob. Vater und Mutter schauten Anna fast gleichzeitig an. Wie im Chor sagten beide mit fester Stimme: "Das kommt ja überhaupt nicht in Frage!" "Du bist noch viel zu klein, um die Nacht alleine in einem Zelt zu verbringen", beendete ihre Mutter den Satz.
Anna funkelte Vater und Mutter mit zornigen Augen an. Sie setzte gerade dazu an, den Eltern klarzumachen, dass sie schließlich kein Kleinkind mehr war, als ihr plötzlich ihr Bruder Lars ins Wort fiel: "Laßt sie doch alleine im kleinen Zelt schlafen. Ich reiße mich nicht darum. Sie ist ja nun wirklich kein Baby mehr und die Zelte stehen ja auch ganz dicht beisammen, dass sie eigentlich auch gar nicht wirklich alleine ist." Anna schaute ihren Bruder verdutzt an. Was war den mit diesem Ekel aufeinmal los? Sollte er doch eine nette Seite haben? Unmöglich! "Lars hat keine nette Seite", dachte Anna. Irgendwo hatte die Sache einen Haken. Anna kam aber nicht darauf welchen und wollte sich darum auch keine weiteren Gedanken machen. Gespannt wartete sie auf die Antwort ihrer Eltern. Die schauten Anna ein Weilchen nachdenklich an und dann sprach Annas Vater: "Nun gut Anna, diesmal sollst du alleine in dem kleinen Zelt schlafen dürfen. Ein Kleinkind bist du tatsächlich nicht mehr." Ihre Mutter nickte zustimmend und so war die Sache entschieden. Anna durfte diesmal alleine im kleinen Zelt schlafen und Lars schlief bei den Eltern.

Eineinhalb Stunden später war die Ausrüstung und alles was man für einen Campingausflug so brauchte im Auto verstaut und die Familie war unterwegs zum Ausflugsziel. Anna konnte vor Aufregung während der ganzen Fahrt den Mund nicht halten und plapperte munter drauflos. Ihr Bruder Lars verdrehte hin und wieder, genervt von Annas Geplapper, die Augen. Anna ärgerte sich nicht darüber. Heute war ihr nur die Tatsache wichtig, dass sie alleine im kleinen Zelt schlafen durfte.
Endlich war es soweit. Der Vater stellte das Auto auf einem Parkplatz nahe am Waldrand ab und Vater, Mutter, Anna und Lars nahmen die Ausrüstung und alles andere aus dem Auto. Nun waren es nur noch gut zwanzig Minuten Fußmarsch bis zu der kleinen Lichtung im Wald, wo sie ihre Zelte aufschlagen wollten. Anna kannte das schöne Fleckchen noch aus dem Jahr zuvor. Das Wetter war einfach bombastisch. Kein Wölkchen war am Himmel zu sehen.
Als sie endlich an der kleinen Lichtung, auf der sie ihre Zelte aufschlagen wollten, ankamen, machten Anna und Lars sich sofort daran ihrem Vater beim Zeltaufbau zu helfen. Die Mutter sammelte derweilen Holz für das Feuer, über dem sie später das Essen, das sie von zu Hause mitgebracht hatten erhitzen wollten. Die beiden Zelte waren im Handumdrehen aufgebaut und zwar wie geplant dicht nebeneinander. Nun hatten Anna und Lars genügend Zeit im nahegelegenen Bach herumzuplanschen und den Wald nahe der Lichtung zu erforschen, wie immer stritten sie miteinander. Lars beschimpfte Anna als lahme Zimtzicke und Anna beschimpfte Lars als aufgeplusterten Angeber.
Einige Zeit später, als es bereits dunkel wurde rief die Mutter zum Essen. Durch die viele frische Luft und das Herumtollen hatte Anna einen Mordshunger. Es gab Erbsensuppe mit Würstchen. Die Mutter hatte dafür eigens das Campinggeschirr mitgenommen. Es schmeckte einfach herrlich an der frischen Luft. Sie saßen im Kreis um das Feuer herum und aßen heißhungrig, bis kein Bröckchen mehr übrig war. Als alle ihre Teller leer hatten, schickte die Mutter Anna und Lars an den Bach um in einem großen Topf Wasser zu holen. Das Wasser erhitzte die Mutter über dem Feuer, um das Geschirr darin zu spülen. Anna und Lars halfen ihr sogar freiwillig dabei und als sie damit fertig waren stand das Geschirr blitzsauber, auf einem Stapel, vor dem großen Zelt, direkt neben dem Korb mit Lebensmittel und allerlei Kleinkram und den Taschen mit der frischen Kleidung. Die Mutter wollte das alles draußen stehen lassen, da es nicht nach Regen aussah und sie dann im Zelt mehr Platz hatten. Was sollte schon passieren? Sie waren ja alleine. Es war weit und breit kein Mensch.

Es war nun schon stockdunkel und der Vater, die Mutter, Lars und Anna saßen dicht beim Feuer und spielten Karten. Anna wurde langsam müde und gähnte immer herzhafter. Auch den Eltern und Lars stand die Müdigkeit deutlich ins Gesicht geschrieben. Es wurde Zeit schlafen zu gehen. Sie wuschen sich alle am Bach. "Brrrr, ist das Wasser kalt", sagte Anna mit klappernden Zähnen. Als sie sich fertig gewaschen hatte, kroch sie in das kleine Zelt und zog sich, in der unbequemen Stellung, die die Höhe des Zeltes zuließ, den kuscheligen Schlafanzug an. Nun schlüpfte sie in den Schlafsack und kuschelte sich richtig gemütlich darin zurecht. Die Mutter wünschte ihr eine gute Nacht und schloss den Reißverschluss des Zeltes. Kurze zeit später hörte Anna, wie auch der Reißverschluss des großen Zeltes geschlossen wurde. Nun war Anna tatsächlich allein. Anna lauschte dem Grillenzirpen, wie man es nur in Sommernächten hören kann und schlief dabei ein.

Was war das? Anna schreckte aus dem Schlaf hoch und lauschte. Im Zelt war es stockfinster, so dass Anna wusste, dass es mitten in der Nacht sein musste. Hatte sie nicht irgendetwas gehört oder hatte sie mur geträumt? Nein! Da war es wieder! Irgendetwas hatte die Zeltwand gestreift. Anna klopte das Herz bis zum Hals und sie dachte, es würde gleich aus der Brust springen. Angestrengt hörte sie nach draußen. Da grunzte doch etwas. Ob das ein Gespenst war? Anna gruselte es. Was, wenn es tatsächlich ein Gespenst war, das hier zu ihr ins Zelt wollte? Anna wagte sich kaum zu atmen. Sie hatte Angst, dass sie das, was da draußen war, auf sich aufmerksam machte. Da! Irgendetwas klapperte laut. Die Eltern und Lars schienen zu schlafen wie die Murmeltiere. Aus dem großen Zelt hörte man nichts. Was hätte sie jetzt darum gegeben, wenn sie an Lars' Stelle bei den Eltern im großen Zelt wäre. Aber sie hatte es ja so gewollt. Da wieder! Gegrunze und Getrappel!
Anna ängstigte sich furchtbar. Es hörte sich an als wäre da draußen mehr als ein Gepenst unterwegs. Äste knackten und hin und wieder streifte etwas die Zeltwand. Anna saß da wie versteinert. Es klapperte wieder ganz heftig. Was war nur da draußen los? Das Ganze dauerte eine halbe Stunde lang aber Anna, die vor Angst wie gelähmt war, kam es vor wie eine Ewigkeit. So plötzlich, wie es angefangen hatte, war es auch wieder still. Anna traute der Stille aber noch nicht so ganz. Sie lauschte weiter. Stille! Nichts als Stille! Es dauerte eine ganze Weile, bis sich Annas Herzschlag wieder beruhigte. Nach einer Weile war sie auch wieder mutig genug sich hinzulegen. Sie rollte sich im Schlafsack wie ein Igel zusammen und zog ihn soweit es ging über den Kopf. Erst als es draußen schon anfing hell zu werden, schlief Anna endlich wieder ein.

Anna wurde durch die Stimme ihrer Mutter geweckt. "Was um Himmels Willen ist denn hier passiert", rief diese. Schlagartig kamen Anna die Ereignisse der Nacht wieder in den Sinn. Hastig kroch sie aus dem Schlafsack und öffnete den Reißverschluss des Zeltes. Der Anblick der sich Anna bot verschlug ihr die Sprache. Überall wo man hinsah lag Kleidung verstreut. Das Geschirr lag ebenfalls kreuz und quer um die Feuerstelle herum. Überall angeknabberte Lebensmittel. Kekskrümmel auf der verstreuten Kleidung und nichts mehr war an seinem Platz."Habt ihr denn gar nichts gehört", fragte Anna. "Das waren Gespenster". "Du spinnst ja", sagte Lars, der verschlafen den Kopf aus dem Zelt reckte. "Es gibt keine Gespenster." Lars lachte Anna aus. "Doch gibt es Gespenster", keifte Anna ihren Bruder an. "Ich habe sie heute Nacht selbst gehört." "Unsinn", sagte auch die Mutter. Anna schwieg. Hatte denn keiner außer ihr gehört, was sich in der Nacht abgespielt hatte? Anna grübelte, als ihr Vater plötzlich laut rief: "Sieh mal einer an, wenn wir hier haben. Anna ich glaube ich weiß wer deine Gespenster waren." Anna folgte mit dem Blick in die Richtung, in die der Finger des Vaters zeigte. Anna bekam ganz große Augen. Da vorne, nahe am Waldrand ging ganz gemächlich ein Wildschwein mit seinen Kindern spazieren. Jetzt wurde Anna mit einem Schlag klar, warum die vermeintlichen Gespenster gegrunzt hatten. Die Wildschweine hatten Anna geweckt! Angelockt von den Lebensmitteln, hatten sie diese Verwüstung angerichtet. Anna war es plötzlich sehr zum Lachen. Und was hatte sie für eine Angst ausgestanden. Sie wollte um keinen Preis der Welt mehr alleine in einem Zelt schlafen. Diese Angst wollte Anna nicht mehr erleben auch wenn es nun eine logische Erklärung für den nächtlichen Lärm gab.

Später, als die Familie längst schon wieder zu Hause war, nahm Lars Anna beseite und meinte zu ihr: "Als ich im letzten Jahr alleine in dem kleinen Zelt geschlafen habe, hatte ich auch einen Riesenbammel. Ich habe jedes noch so kleine Geräusch gehört und konnte fast die ganze Nacht nicht schlafen. Du warst ganz schön tapfer, dass du nicht nach den Eltern geschrien und es bis zum Morgen alleine ausgehalten hast." Anna sah Lars verblüfft an. Ihr ekliger Bruder Lars gab zu, dass er vor etwas Angst hatte? Anna sah Lars lächelnd an und zum ersten Mal seit ewigen Zeiten war ihr Lars mal wieder symphatisch. Sie wusste nun warum er so dafür war, dass Anna im kleinen Zelt schlief. Sie zog ihren Bruder an der Hand mit sich ins Wohnzimmer und ohne jeden Streit spielten sie den restlichen Abend miteinander Karten. So hatte die Geschichte doch noch etwas Gutes. Zum ersten Mal merkte Anna, dass ihr Bruder doch eine nette Seite hatte, auch wenn er sie meist gut zu verbergen wusste.

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Die Clique

Es klingelte an der Haustür! Lisa und Cara stürzten beide aufeinmal los, um sie zu öffnen. Die beiden Mädchen waren seit der Kindergartenzeit beste Freundinnen. Heute hatten sich die beiden bei Cara verabredet, deren Eltern übers Wochenende verreist waren. Dort wollten sie warten, bis Thomas, Ben, Tina, Katrin und Frederik, die fünf aus der angesagtesten Clique der Schule, Lisa und Cara abholen würden. Fast jeder aus der Schule würde alles dafür geben, um zu dieser Clique zu gehören. Wer zu dieser Clique gehörte war beliebt und ebenfalls angesagt. Lange Zeit hatten sich Lisa und Cara darum bemüht, bis es endlich soweit war, dass Frederik sie fragte, ob sie mit auf den Rummelplatz gehen wollten. Sie hatten für die fünf Bücher geschleppt, aus der Cafeteria der Schule Getränke besorgt, Hausaufgaben für Frederik gemacht, Katrin bei den Arbeiten abgucken lassen und, und, und.........
Heute war es endlich soweit. Die Clique wollte Lisa und Cara abholen, da es Samstag war, und sie mit zum Rummel nehmen. Danach wollte Cara bei Lisa übernachten. Frederik war so etwas wie der Anführer der Clique und wenn Frederik schon fragte ob man mit auf den Rummel gehen wollte, dann gehörte man fast dazu. Schließlich wollten Lisa und Cara nicht so enden wie Patricia. Patricia ging in Lisas und Caras Klasse. Niemand mochte das stille Mädchen. Lisa und Cara wussten eigentlich noch nicht einmal, warum niemand Patricia mochte. Sie galt als Außenseiterin und war meistens alleine. Sie sah mit ihrer Brille und dem dünnen, farblosen Haar furchtbar langweilig aus. Lisa und Cara hatten sich noch nie näher mit Patricia befasst und wären auch nie auf die Idee gekommen sich näher mit ihr zu befassen. Wenn man sich mit einer Außenseiterin abgab, dann machte man sich an der Schule unbeliebt. Lisa und Cara aber wollten ja gerade das Gegenteil.

Lisa war als erste an der Tür und öffnete sie. Frederik stand vor der Haustür und Thomas, Ben, Tina und Katrin warteten am Hoftor. Lisa und Cara begrüßten Frederik und winkten den anderen vier zu. Schnell holten sie ihre Jacken aus der Flurgaderobe und verließen das Haus. Nun zu siebt, machten sie sich auf den Weg. Es waren gut 20 Minuten Fußweg bis zum Rummelplatz. Nur Frederik redete unterwegs. "Ihr wisst ja sicherlich, dass dieses Jahr eine Achterbahn auf dem Rummel steht", sagte er zu Lisa und Cara. Lisa und Cara hatten schon in der Schule davon gehört. "Wir wollen heute als erstes mit dieser Achterbahn fahren. Ihr fahrt doch sicher auch mit", redete Frederik weiter."Oder seid ihr etwa feige Weicheier? Die können wir in unserer Clique gar nicht gebrauchen." Cara wurde ganz mulmig zumute. Sie litt schon bei dem Gedanken in eine Achterbahn einzusteigen Höllenqualen. Ihr wurde schon auf einem Kettenkarussell schlecht. Um keinen Preis der Welt hätte sie das aber jetzt ausgerechnet vor Frederik preisgegeben. So blieb ihr also nichts anderes übrig, wie Lisa begeistert zu tun und sich einverstanden zu erklären. Den Rest des Weges schwiegen sie alle. Cara war auch viel zu sehr in ihre Gedanken versunken. Sie fragte sich, ob es richtig war, auf was sie sich da eingelassen hatte. Wie aber sonst sollte man von der Clique akzeptiert werden? Wenn man das so wie Lisa und Cara unbedingt wollte, dann musste man auch etwas riskieren. Schließlich ging es ja darum zu den beliebtesten Schülern der ganzen Schule zu gehören. Diese Chance wollte sich Cara auf keinen Fall entgehen lassen.

Als sie auf dem Rummel ankamen herrschte dort schon ein riesen Trubel. Überall sah man Buden. Schießbuden, Süßigkeitenbuden, Stände mit allerlei Krimskrams und noch vieles mehr. Dazwischen standen alle Arten von Fahrgeschäften. Lisa und Cara wussten gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollten. Viel Zeit blieb ihnen dazu sowieso nicht, da Frederik zielstrebig voranmaschierte. Aufeinmal ging er auf einen Toilettenwagen zu und verschwand dahinter.
Lisa und Cara sahen sich verduzt an. "Kommt mit", sagte da auch schon Ben. Katrin, die die ganze Zeit geschwiegen hatte, packte Cara am Handgelenk und zog sie mit sich hinter den Toilettenwagen. Die anderen folgten. Hinter dem Toilettenwagen kniete Frederik auf dem Boden und kramte in seinem Rucksack, den er vorher die ganze Zeit auf seinem Rücken hatte. Es dauerte nicht lange und er hatte eine Flasche und ein Päckchen daraus hevorgekramt. Cara traute ihren Augen nicht. Die Flasche war eindeutig eine volle Schnapsflasche und das Päckchen nichts anderes als ein Zigarettenpäckchen.
Cara ahnte Schreckliches. Sie sah Lisa von der Seite her an und bekam mit, dass diese mit offenem Mund auf Frederik heruntersah. Frederik öffnete nun die Flasche. Er setzte sie an den Mund und trank daraus einen großen Schluck. Dann reichte er sie an Ben weiter. Dieser tat es ihm gleich. Darauf folgten erst Katrin, dann Thomas und dann Tina. Sie alle taten es Frederik nach. Dann war Lisa an der Reihe. Lisa zögerte. Frederik sah sie eindringlich an und sagte: "Du wirst doch nicht kneifen wollen? Wenn du zur Clique gehören willst, dann musst du auch mit uns aus der Schnapsflasche trinken." Cara sah zu, wie Lisa die Augen schloss, die Flasche ansetzte und einen großen Schluck daraus trank. Lisa hustete und wurde ganz rot im Gesicht. "Siehst du? Ist doch gar nicht so schlimm", sagte Frederik zu Lisa. Er grinste breit und meinte dann: "So jetzt fehlt nur noch Cara. Du wirst dich doch wohl nicht drücken wollen? Wenn du aus der Flasche trinkst, dann gehörst du zu unserer Clique." Lisa hielt Cara die Flasche hin und Cara bemerkte, dass die Freundin sich dabei gar nicht wohl fühlte. Alle Augen waren nun auf Cara gerichtet. Mit zittriger Hand nahm sie die Flasche entgegen. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Sie wollte unbedingt zu der Clique gehören und in der ganzen Schule beliebt sein. Cara hob die Flasche hoch, setzte sie an den Mund und schüttete die klare Flüssigkeit hinein. Wie Feuer rann das Zeug die Kehle hinunter. Sie wollte nicht als Weichei gelten und hatte gleich den größten Schluck von allen genommen. Auch Cara musste husten. Frederik sah sie anerkennend an. Dann öffnete er das Zigarettenpäckchen und gab jedem eine Zigarette daraus in die Hand. Er gab jedem Feuer. Cara, nun etwas mutiger machte auch das mit, da sie nicht als Feigling dastehen wollte. Sie musste mehrmals husten aber tapfer zog sie weiter an der Zigarette.
Während alle ihre Zigaretten rauchten, wurde noch mehrmals die Flasche herumgereicht, bis sie endlich leer war. Cara war es schon ganz komisch. Sie fühlte, wie Hitze in ihr aufstieg und sie hatte ein flaues Gefühl in der Magengegend. Endlich packte Frederik die leere Flasche und das Zigarettenpäckchen wieder in den Rucksack und sie konnten ihren Weg fortsetzen. Cara fühlte sich von Minute zu Minute schlechter.

Als die Gruppe um die Ecke des Toilettenwagens bog, rief Tina plötzlich laut: "Schaut mal wer da vorne läuft. Patricia die dämliche Kuh." Alle schauten in die Richtung, in die Tina zeigte und tatsächlich, da lief Patricia. Sie war wie immer alleine. "Die doofe Ziege hat mal wieder niemanden dabei", sagte Katrin. Alle außer Lisa und Cara lachten laut über Patricia. Auch Patricia hatte die Clique bemerkt. Sie schaute Lisa und Cara erstaunt direkt ins Gesicht, drehte dann den Kopf weg und ging unbeirrt weiter. Cara, der es sowieso schon schlecht ging, ging es nun noch schlechter. Der Gedanke an Patricias Blick bereitete ihr Unbehagen, obwohl sie ja eigentlich gar nichts mit ihr zu tun hatte. Cara schämte sich irgendwie dafür, dass die anderen über Patricia gelacht hatten, auch wenn Lisa und Cara daran nicht beteiligt waren. Cara schob die Gedanken an Patricia beseite. Schließlich ging es darum beliebt zu werden und zur angesagtesten Clique der Schule zu gehören.
Sie setzten ihren Weg fort. Bald darauf waren sie an der Achterbahn angelangt. Vor dem Kassenhäuschen hatte sich einen lange Schlange gebildet. Frederik stellte sich gleich an das Ende der Schlange und rief die anderen herbei. Es ging zügig vorwärts und Cara bekam immer weichere Knie. Aber auch jetzt traute sie sich wieder nicht etwas zu sagen. Als sie an der Reihe waren kauften sie und Lisa wie alle anderen eine Fahrkarte für die Achterbahn. Dann warteten sie, bis sie mit der Fahrt dran waren. Nun standen sie ganz vorne und der nächste freie Wagen, war ihrer. Cara war es nun hundeelend. Sie wusste, dass es kein zurück mehr gab und der Alkohol im Blut setzte ihr gewaltig zu.
Der Wagen kam heran und Cara stieg mit den anderen ein. Der Sicherheitsbügel klappte zu und Cara fühlte sich wie eine Gefangene. Sie wünschte sich an jeden anderen Ort der Welt, wenn sie nur aus dem Achterbahnwagen käme.
Die Fahrt begann. Erst ging es in gemäßigtem Tempo voran aber bald schon wurde die Fahrt immer rasanter. In rasender Fahrt ging es Hügel rauf und Hügel runter. Caras Magen schien jedes auf und ab mitzumachen. Mit immer mehr Anstrengung bekämfte sie den Drang sich übergeben zu müssen.
Die Fahrt dauerte eine Ewigkeit aber endlich verringerte sich das Tempo des Wagens. Cara ging es schlechter denn je. Als der Wagen anhielt stieg Cara mit wackligen Beinen aus. Lisa, die hinter ihr in der Bank gesessen hatte schaute Cara an und sagte entsetzt: "Cara, wie siehst du denn aus? Du bist ja kreidebleich im Gesicht. Du siehst aus als würdest du jeden Augenblick umkippen." Cara schwankte. Entschlossen hakte Lisa sich bei Cara unter und führte diese zur nächstgelegenen Bank. Cara lies sich stöhnend darauf nieder und Lisa setzte sich zu ihr. Cara kämpfte immernoch gegen die Übelkeit an. Der Rest der Gruppe kam zu Lisa und Cara an die Bank heran. Frederik grinste höhnisch. "Dir wird doch wohl nicht schlecht geworden sein, Cara? Dann wärst du ja doch nur ein Weichei", höhnte er. "Weicheier können wir in unserer Clique nicht gebrauchen." Er drehte sich zu den anderen und sagte: "Kommt wir gehen und lassen die Weicheier hier sitzen." Lachend verzog sich die Clique und lies Lisa und Cara einfach sitzen.
Nun war es entgültig vorbei mit dem Beliebtsein aber Lisa und Cara war es inzwischen egal. Zu einer Clique, die andere im Stich ließ, wenn es ihnen mal schlecht ging, wollten sie gar nicht gehören. Cara hatte beide Arme vor dem Bauch verschränkt und saß leicht nach vorne gebeugt. Ihr ging es immernoch nicht besser.
Plötzlich hörten sie von hinten eine leise Stimme: "Was hat Cara denn? Sie sieht ja furchtbar aus." Lisa und Cara drehten sich um. Hinter der Bank stand Patricia und schaute sie fragend an. Lisa erzählte Patricia die ganze Geschichte in kurzen Zügen und ließ auch die Sache mit dem Schnaps und den Zigaretten nicht aus. "Das sieht Frederik mal wieder ähnlich", sagte diese nur darauf, dann kam sie um die Bank herum, nahm Cara am Arm und zog diese von der Bank hoch. "Es wird das Beste sein, wenn du dich nicht zurückhälst und den ganzen Alkohol der sich noch im Magen befindet rausläßt", sagte Patricia. Sie führte Cara zu einer menschenleeren Stelle hinter einem Wagen, wo sich mehrere Bäume und Büsche befanden. Lisa blieb auf der Bank zurück. Es dauerte nicht lange und Cara musste sich wirklich übergeben. Patricia streichelte ihr dabei tröstend über den Rücken. Als Cara fertig war fühlte sie sich ein Wenig besser. Patricia kramte kurz in ihrem Rucksack herum, beförderte ein Packung Erfrischungstücher an die Luft, öffnete eins davon und wischte Cara damit über das Gesicht. Cara war ihr dafür dankbar. Patricia brachte Cara nun zur Bank zurück. Diese ließ sich gleich wieder neben Lisa nieder und Patricia setzte sich gleich neben Cara. "So kann sie unmöglich den ganzen Weg bis nach Hause laufen", sagte sie an Lisa gewandt. Diese nickte zustimmend. "Wir könnten ja ein Taxi rufen. Wenn wir alle zusammenlegen, dann wird es gar nicht so teuer und Cara könnte sich bald zu Hause hinlegen", sagte Patricia. Lisa und Cara waren beide damit einverstanden. Sie schämten sich beide. Sie hatten Patricia noch nie großartig beachtet und als die Clique über sie lachte hatten sie auch nichts gesagt. Nun kümmerte sich Patricia so lieb um Cara und wollte für ein Taxi mitbezahlen, dass sie ohne Lisa und Cara gar nicht gebraucht hätte. Es war wirklich sehr beschämend.
Patricia holte ein Handy aus ihrem Rucksack hevor, wählte eine Nummer und Lisa und Cara hörten, wie sie ein Taxi zum Haupteingang des Rummelplatzes bestellte. Als Patricia ihr Telefonat beendet hatte machten sich die drei auf den Weg zu Haupteingang. Lisa und Patricia hakten Cara links und rechts unter, da diese noch ziemlich wacklig auf den Beinen war.
Zehn Minuten später erreichten sie endlich den Haupteingang und das Taxi wartete davor schon auf sie. Nachdem sie eingestiegen waren nannte Lisa Caras Adresse und das Taxi fuhr los. Nach weiteren zehn Minuten hielt das Taxi vor dem Haus in dem Cara wohnte und die drei bezahlten den Fahrer und stiegen aus. Cara war unendlich froh wieder zu Hause zu sein.
Drinnen im Haus legte sie sich gleich auf die Wohnzimmercouch und Patricia kochte ihr mit Lisas Hilfe einen Kamillentee. Patricia kannte sich im Haushalt von Caras Eltern ja nicht aus. Lisa, die oft bei Cara war wusste wo sich die Sachen für den Tee befanden.
Cara nippte an dem heißen Tee und fühlte sich von Minute zu Minute besser. Sie war Patricia unendlich dankbar für deren Fürsorge. Kurzentschlossen fragte sie Patricia, ob sie nicht auch bei ihr übernachten wolle. Sichtlich erfreut darüber stimmte Patricia, nachdem sie ein kurzes Telefonat mit ihrer Mutter geführt hatte, zu.

Es wurde Abend. Cara fühlte sich inzwischen wieder ziemlich fit. Die drei hatten sich viel zu erzählen und es gab viel zu lachen. Sie verstanden sich alle drei bestens und Lisa und Cara hatten gemerkt, wie nett Patricia in Wirklichkeit war. Gar kein bisschen langweilig und blöd. Als die drei zu Bett gegangen waren, lagen sie noch lange wach. Patricia erzählte eine Geschichte, von der Lisa und Cara nichts gewusst hatten.
Patricia und Frederik waren im Kindergarten die dicksten Freunde. Auch die Eltern der beiden waren dick befreundet. Frederik und Patricia spielten fast täglich miteinander. Bis zu dem Tag, als die Eltern der beiden Streit bekamen. Von da an durften die beiden nicht mehr miteinander spielen. Frederiks Eltern wollten das nicht. Da sie Frederik sehr beeinflußten, verhielt sich Frederik bald miserabel gegenüber Patricia. Er machte Patricia, wo er nur konnte schlecht und so stellten sich immer mehr Kinder auf Frederiks Seite. Patricia, der nun niemand mehr half zog sich immer mehr zurück. So kam es, dass sie zur Außenseiterin wurde und es bis zum heutigen Tag blieb.
Lisa und Cara dachten in dieser Nacht noch lange nach. Sie hatten etwas Wichtiges gelernt. Es war nicht wichtig, wie beliebt man war und das man zu der angesagtesten Clique der Schule gehörte. Wichtig war, dass man gute Freunde hatte, die auch in Notzeiten zu einem standen und auf die man sich immer verlassen konnte.

In diesem Sommer unternahmen die drei noch viel miteinander. Sie wurden die dicksten Freunde und Patricia war nicht länger das stille Mädchen, das immer alleine war. Nach und nach gewann sie neue Freunde in der Schule. Durch die Freundschaft mit Lisa und Cara wurde das Eis gebrochen.
Frederik flog im gleichen Jahr noch von der Schule. Er wurde von einem Lehrer, stockbetrunken und mit einer Zigarette in der Hand, in der Jungentoilette erwischt. Als man seine Sachen durchsuchte fand man eine halbleere Schnapsflasche und Gegenstände, die er anderen Schülern gestohlen hatte.
Nachdem Frederik von der Schule geflogen war, löste sich auch die Clique auf. Nun waren Ben, Thomas, Katrin und Tina eher die Außenseiter der Schule. Lisa und Cara merkten, dass die Clique eigentlich niemals so beliebt war, wie sie immer dachten. Die meisten Schüler hatten nur Angst vor Frederik und wollten sich deshalb mit der Clique gutstellen.
So änderte sich alles. Lisa und Cara wollten niemals wieder so oberflächlich sein und andere beurteilen ohne sie genau zu kennen. Es wurde das schönste Jahr für Lisa, Cara und Patricia in der Schule. Niemand konnte sich zwischen sie drängen. Die Freundschaft der drei hielt bombenfest und alle drei wussten inzwischen, dass es unmöglich war bei allen beliebt zu sein. Sie wollten es auch gar nicht mehr. Sie hatten sich und das war mehr als manche andere hatten.

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