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Asperger-Syndrom - Geschichte zur Diagnose meines Sohnes

Von Geburt an war Aljoscha ein sehr unruhiges Kind. Lange hielt er es nie an einem Ort, wie z.B in der Babywippe aus. Dies tat er mit einem stetigen Meckern kund. Zum Glück schlief er Nachts durch, was sich aber später wieder änderte. Später im Gehfrei, brachte er mich schier zur Verzweiflung. Er kam irgendwie an alles ran. Einfallsreichtum und Raffinesse, an Verbotenes ranzukommen, waren sein Metier. Ich räumte an einer Stelle sein Chaos auf, während er an anderer Stelle ein neues anrichtete. Selbst der Gehfrei, ein Hinderniss beim Öffnen einer Schranktür, weil er ja vor der Tür stand, waren kein Grund für ihn aufzugeben. Er schnappte sich den Griff, fuhr mit seinem Gehfrei zurück, bis die Tür weit genug offenstand und umschiffte das Ganze dann in einem eleganten Bogen und der Weg zum Schrankinhalt war frei.

Mein Sohn konnte sich früher an etwas hochhangeln, wenn sich dort etwas befand, das er wollte, als laufen. Was das logische Denken betraf, war er genial. Er konnte gerade so laufen......es war Nikolaustag und wir hatten die Stiefel vor die Tür gestellt und ihm erklärt, das der Nikolaus da etwas hinein tun würde und tatsächlich waren die Stiefel morgens gefüllt. Gegen Mittag am Nikolaustag rumorte Aljoscha in seinem Zimmer herum und in Panik, was er nun wieder anstellte wollte ich nachschauen. Im Flur kam mir mein Sohn schon entgegen.........den Arm voller Schuhe......Von der Sandale bis zum Hausschuh hatte er alles herausgekramt, was er an Schuhwerk fand. Ist ja auch eigentlich logisch: Je mehr Schuhe, desto mehr Inhalt............

In seiner Entwicklung gab und gibt es ein starkes Gefälle. Das logische Denken betreffend und die Kreativität, was z.B. die Zweckentfremdung von Gegenständen angeht, war er seinem Alter weit vorraus. In anderen Dingen, wie z.B. das selbständige Anziehen etc., hinkte er hinterher. Die Babysprache ließ er komplett aus. Er sprach altersgemäß aber die Worte gleich perfekt und fehlerfrei. So ist das auch heute noch. Am 03.06.2005 ist er 5 Jahre alt. Feinmotorisch ist er auf dem Stand eines 6-7jährigen. Grobmotorisch aber auf dem Stand eines 3-4 jährigen. Das heißt quasi, dass er die kniffligsten Verpackungen öffnen kann aber beim Gehen oder Rennen eher tollpatschig wirkt. Dieses Gefälle betrifft sämtliche Entwicklungsspezifischen Punkte.

Seine Interaktion und Kontaktaufnahme mit Gleichaltrigen ist gleich null. Mir kommt es manchmal so vor, als würde er gar nicht wahrnehmen, dass es noch andere Kinder gibt, was wahrscheinlich ein wenig so ist. Zumindest nicht als Spielgefährten. Das Asperger-Syndrom bzw. Asperger-Autismus ist ja im Grunde nichts anderes als eine ausgeprägte Wahrnehmungsstörung.

Für normale Spielsachen hat sich Aljoscha noch nie sonderlich interessiert. Er hat Spezialinteressen entwickelt, die schon sehr lange anhalten. Auf Nachfrage zu seinen Geburtstagswünschen kamen Dinge wie: ein Deckenfluter, ein Ventilator (Ventilatoren liebt er über alles, schon mindestens 3 Jahre lang). Zu seinen derzeitigen Lieblingsspielsachen gehört ein alter Globus und eine ausgediente PC Lüftung.

Ich könnte noch vieles zu den Ausprägungen des Syndroms bei meinem Sohn erzählen aber das würde den Rahmen sprengen. Wir hatten einen langen Weg bis zur Diagnose. Viele Termine und Untersuchungen. Ich war oft verzweifelt, da Aljoscha sehr anstrengend war. Wir mussten den Kindergarten wechseln, weil Aljoscha eine Integration benötigte. Lange Zeit hatte ich keinen Namen für das Verhalten meines Sohnes, zu dem auch Wutausbrüche, Autoaggression, beharren auf Ritualen,Stereotypien, ständige Wortneukreationen, Echolalie etc. gehörte. Im April 2005 haben wir endlich unsere Diagnose, vom Therapiezentrum für autistische Kinder Jugendliche und Erwachsene in Mannheim, bekommen.

Dies ist für mich eine Erleichterung. Mein Sohn bekommt die passende Therapie und Hilfe. Die Ergotherapie, die wir über ein Jahr besuchen, hat uns nicht sehr weitergebracht und ist lange nicht ausreichend. Sehr vieles Positive in der Entwicklung meines Sohnes haben wir dem großen Engagement der Erzieherinnen in Aljoschas Kindergarten zu verdanken. (dies ist nicht selbstverständlich). Auch die Zusammenarbeit aller Beteiligten funktioniert einwandfrei (Kinderpsychiatrie, Frühförderung, Kindergarten, diverse Therapeuten etc.).

So oft wurde Aljoscha, von anderen Leuten als "böse" oder "unerzogen" hingestellt oder rüde behandelt. Wie oft musste ich mir anhören:" der braucht mal eine Trachtprügel". Fakt ist: Aljoscha kann nichts für sein "Andersein" und wird noch oft genug darunter leiden und den Leuten die von Trachtprügel reden, denen gehört selbst eine Trachtprügel.

Asperger-Autisten wissen durchaus um ihr "Anderssein" und leiden nicht selten darunter

Asperger-Autisten haben eine ausgeprägte Kontaktstörung unter der sie leiden.

Asperger-Autisten sind nicht geistig behindert.

Asperger-Austisten sind in der Regel normalbegabt bis hochbegabt. Viele studieren sogar. ( man nimmt heute sogar an,                                dass Albert Einstein ein Asperger-Autist war, sowie andere Berühmtheiten. Hinweise geben
                              ausgeprägte Spezialinteressen und einiges mehr.)

Asperger-Autisten sind sehr logisch denkend und haben Probleme unsere sozialen Regeln zu verstehen, die doch                                  manchmal unlogisch sind. Sie ecken deshalb sehr oft an und werden zuweilen als "komisch" oder                                         "kauzig" tituliert.

Asperger-Autismus ist nicht heilbar aber vieles kann mit der richtigen Therapie und dem richtigen Training
                              kompensiert werden.

Asperger-Autisten können nur schwer Gefühle und Stimmungen von anderen nachvollziehen oder von deren                                                   Gesichtsausdruck ablesen (fehlen von empathischen Fähigkeiten)


Asperger-Autisten haben meist ein eingeschränktes Minenspiel.

Asperger-Autisten klammern häufig an feststehenden Ritualen fest und können nur schwer mit Veränderungen                                                   umgehen. Sie entwickeln mitunter Stereotypien.

Asperger-Autisten können gar nicht oder nur sehr schwer Blickkontakt aufnehmen und über einen
                                längeren Zeitraum halten.

Asperger-Autisten brauchen einen streng strukturierten Alltag.

Aljoscha ist in jeder Hinsicht anstrengend, schwer lenkbar und auf das Wort "Nein" reagiert er selten. Bei einem Kind das unter Asperger-Syndrom leidet wird oftmals die Schuld für das Verhalten bei den Eltern bzw. der Mutter gesucht.

----------- Autismus ist kein Erziehungsfehler der Eltern !!!!!! ------------sondern ein Handycap.

Unsere Welt, wie wir sie wahrnehmen, erscheint einem Autisten sehr oft als chaotisch. Nicht umsonst nennt man den Asperger-Autismus oft "the-wrong-planet (falscher Planet)-Syndrom". Wer mit einem Asperger-Autisten lebt, sollte lernen seine Welt zu verstehen. Viel dabei geholfen hat mir das Buch "Buntschatten und Fledermäuse" von dem erwachsenen Asperger-Autisten "Axel Brauns".

Das Asperger-Syndrom ist nur eine Form des Autismus, im Vergleich zum Kanner-Syndrom, dem high-functioning-Austismus etc ist es eher eine leichtere Variante des Autismus. Man sieht es der Person nicht an und viele "Aspies" sind Meister im überspielen ihrer Symptome. Die Bedeutungen von Redewendungen z.B.werden auswendig gelernt oder Gesichtsausdrücke von anderen werden einstudiert. Auch sozialer Umgang wird geübt.

Eine Bemerkung zu diesem Text: Dieser Text beinhaltet Dinge zum Asperger-Syndrom wie sie sich bei meinem Kind auswirken und was ich darüber gelesen habe (unendlich viel). Etwaige Nichtübereinstimmungen mit anderen fachbezogenen Seiten können vorkommen, da ich nur die Mutter eines autistischen Kindes bin und kein Facharzt oder Diplompsyschologe. Wer ähnliche Verhaltensweisen bei seinem Kind entdeckt, sollte sich besser nochmal auf fachbezogenen Seiten kundig machen oder einen Arzt seines Vertrauens dazu befragen. Autismus kann nur durch längere Beobachtung festgestellt werden.

Zum Ende hin möchte ich gerne noch bemerken, dass mir mein Sohn trotz seiner Probleme oder gerade wegen der Probleme auch sehr viel Schönes gibt. Alles, bei anderen Kindern so selbstverständliche an Entwicklung, sehe ich bei Aljoscha mit anderen Augen. Jeder noch so kleine Fortschritt macht mich stolz und bedeutet für Aljoscha ein Erfolgserlebnis. Er bedarf jeglicher Motivation, die er bekommen kann. Mit ausreichender Therapie kann seine Entwicklung altergemäß sein.

Da es für mich eine Herausforderung und Aufgabe ist, meinen Sohn in jeder Hinsicht zu fördern und weiter zu bringen, wünsche ich mir Kontakt zu anderen Eltern autistischer Kinder oder auch erwachsenen Personen mit Asperger-Syndrom. Eine Email-Adresse findet man auf jeder meiner Seiten.

Bis auf Weiteres
S.Meise